Biliopankreatische Diversion (BPD): Effektive, aber anspruchsvolle Operation

Die Biliopankreatische Diversion (BPD) zählt zu den komplexesten, aber auch effektivsten Verfahren in der Adipositaschirurgie. Ziel der Operation ist eine drastische Reduktion der Nahrungsaufnahme und -verwertung, insbesondere durch eine gewollte Malabsorption – also eine eingeschränkte Aufnahme von Nährstoffen im Dünndarm. Dadurch wird dem Körper vor allem weniger Fett und Zucker zugeführt.

Wie bei anderen bariatrischen Eingriffen ist die BPD nicht vollständig reversibel, und die Einnahme von lebenslangen Nahrungsergänzungsmitteln ist zwingend erforderlich, um Mangelerscheinungen vorzubeugen.

Funktionsweise der BPD

Bei der BPD wird der Verdauungsvorgang gezielt verändert: Die Sekrete von Bauchspeicheldrüse und Galle treffen erst sehr spät – im letzten Abschnitt des Dünndarms – auf den Speisebrei. Das bedeutet, dass der Nahrung nur noch ein kurzer Darmabschnitt zur Verfügung steht, um aufgespalten und verwertet zu werden. Der Großteil der Nährstoffe wird somit unverdaut wieder ausgeschieden.

Neben der Malabsorption spielt auch die Restriktion eine Rolle: Der Magen wird deutlich verkleinert, was zu einem früheren Sättigungsgefühl und reduzierter Nahrungsaufnahme führt.

Zwei Varianten: BPD und BPD-DS

Es gibt zwei Hauptformen des Eingriffs:

  • Biliopankreatische Diversion (BPD): Der Magen wird auf ein Volumen von ca. 250–500 ml reduziert.
  • Biliopankreatische Diversion mit Duodenal Switch (BPD-DS): Hier wird der Magen zu einem sogenannten Schlauchmagen geformt – mit deutlich kleinerem Volumen (ca. 100–120 ml). Zusätzlich bleibt beim DS der Magenpförtner (Pylorus) erhalten. Das ermöglicht eine langsamere und kontrolliertere Magenentleerung und senkt das Risiko für das Dumping-Syndrom, das bei anderen Verfahren häufiger auftritt.

Vorbereitung und Ablauf der Operation

Vor einer Operation sind umfassende Voruntersuchungen erforderlich, darunter:

  • Magenspiegelung zum Ausschluss von Erkrankungen im oberen Verdauungstrakt,
  • Ultraschall des Bauchraums, z. B. zur Erkennung von Gallensteinen,
  • EKG und Lungenfunktionsprüfung, um die Narkosefähigkeit abzuklären.

Der Eingriff wird meist minimalinvasiv (Schlüssellochtechnik) durchgeführt, was zu einer geringeren Belastung führt – besonders wichtig für stark übergewichtige Patient:innen. Der Magen wird dabei knapp unterhalb des Mageneingangs abgetrennt und auf die gewünschte Größe reduziert. Der restliche Magenanteil wird entweder entfernt oder stillgelegt.

Die Operation dauert in der Regel bis zu drei Stunden, gefolgt von einem stationären Aufenthalt über mehrere Tage.

Für wen ist die BPD geeignet?

Die BPD wird vor allem bei Menschen mit einem Body-Mass-Index (BMI) über 40 in Betracht gezogen, insbesondere wenn andere Methoden der Gewichtsreduktion über mindestens ein Jahr hinweg erfolglos geblieben sind.

Aufgrund des hohen Risikos für Nährstoffmangel und metabolische Veränderungen eignet sich die BPD jedoch nur für sehr gut informierte und motivierte Patient:innen, die bereit sind, langfristige ärztliche Nachsorge und strenge Supplementierung dauerhaft einzuhalten.

Mögliche Risiken und Nebenwirkungen

Wie bei allen chirurgischen Eingriffen bestehen auch bei der BPD potenzielle Risiken. Dazu zählen insbesondere:

  • Mangelerscheinungen (z. B. Vitamin-B12-, Eisen-, Kalzium- und Eiweißmangel)
  • Verlust von Muskelmasse
  • Durchfall, Blähungen, Bauchschmerzen
  • (Selten) Dumping-Syndrom
  • Reoperationen bei Komplikationen

Ein konsequentes Nachsorgekonzept ist daher unerlässlich.

Fazit

Die Biliopankreatische Diversion ist eine sehr wirkungsvolle, aber auch herausfordernde Methode zur Gewichtsreduktion. Sie kann für ausgewählte Patient:innen mit schwerer Adipositas eine echte Chance auf gesundheitliche Besserung darstellen – vorausgesetzt, sie erfolgt unter professioneller Begleitung und mit klarer Bereitschaft zur lebenslangen Veränderung.